Trendreport
ISEE Future

Im linken Zeitraster vermittelt Trendreport ISEE Future in verschiedenen Zeitepochen Sachinformationen zu: Produkt, Herstellung, Verkauf und Konsum. Die Piktogramme auf der rechten Seite sind in zwei Gruppen aufgeteilt: Einleitung/Erfahrungsbericht sowie Chancen und Risiken. In den einzelnen Sachtexten sind Links eingebettet zu weiterführenden, spezifischen Sachinformationen.

Trendreport ISEE Future Bild
Bild zum Vorwort

Doku

Die Dokumentation widerspiegelt den gesamten Gestaltungsprozess von den ersten Ideen bis zum vorliegenden Endprodukt. Das Bildmaterial illustriert den steinigen Entscheidungsprozess.

-> http://doc.isee-future.com

Vorwort

Meine Arbeit widmet sich den Chancen, Risiken und Entwicklungen rund um das Thema "Sehhilfen". Moderne Technologien wie der 3D-Printer lassen heute ungeahnte Möglichkeiten in der Produktentwicklung zu. Der Trendreport ISEE Future greift aktuelle Fragenstellungen auf:

- Stellt der Brillenträger in Zukunft seine Sehhilfe mittels 3D-Printer selber her?
- Verhindern medizinische Bedenken diese Entwicklung?
- Wird der Kunde von morgen der Zulieferer des Optikers?
- Wird der Optiker zum Designer und Dienstleister?
- Wird das Optikergeschäft zum Künstleratelier?
- Wird der Produzent von Sehhilfen überflüssig?

In meinem online-Trendreport wage ich Prognosen und Visionen für den Brillenträger von morgen. Viel Spass beim Erkunden!

Dominik Rohr

Mai 2013

2013

Die Auswahl an Brillen Standardprodukten ist sehr gross. Die Optiker setzen auf Altbewährtes. Innovation ist marginal, in begrenztem Rahmen vorhanden.
Der Optikerberuf ist vielseitig und anspruchsvoll.
Individuelle Kundenwünsche sind nur begrenzt erfüllbar.

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Produkt

Déjà vu …

Heutige Brillengestelle sind, je nach Design, aus "Vollmaterial" hergestellt. Ökologische Grundsätze spielen bislang eine untergeordnete Rolle. Es wird auf Altbewährtes gesetzt wie: Horn, Metall, Acetat und Holz. Bei der Verarbeitung entstehen Abfälle, welche aufwändig rezykliert werden müssen. Diese Rückstände fallen durch das Ausschneiden, respektive Ausstanzen des Gestells an. Viel wertvolles Material geht dabei verloren. Formtechnisch orientiert sich die derzeitige Brillenmode an den 60er und 70er Jahren. Aktuelle Brillengestelle können nicht multifunktional eingesetzt werden und stellen keinen Mehrwert dar. Heutige Brillen dienen der reinen Sehhilfe.

Google verfolgt mit seinem innovativen Produkt "Google Glass" erste Ansätze in Richtung Multifunktionalität und Mehrwert. Das asiatische Unternehmen HOYA beschreitet beim Positionieren der Brillengläser neue Wege, indem die Anpassung mithilfe des IPads erfolgt. Auch im Kontaktlinsenbereich sind Neuheiten auszumachen: Biotrue ONEday ist eine Tageskontaktlinse bestehend aus HyperGel. Sie ist sauerstoffdurchlässig und befeuchtet, bedingt durch den hohen Wassergehalt, das Auge optimal.

Holz
Altmetall
PET Verwertung
Herstellung

Im Westen nichts Neues!

Selbst innovative Produzenten beschränken sich auf die Entwicklung besserer Scharnierlösungen sowie praktikableren Einklappmechanismen. Eine Mehrheit der Produzenten belässt es bei der Herstellung eines Massenprodukts, versehen mit einer Trendmarke. "Neuheiten" stammen aus dem Archiv, d.h., frühere Formen und Designs werden zu neuem Leben erweckt.

Einzig MYKITA versucht sich mit neuen Materialien, z.B. MYLON und bewegt sich damit im 3D-Druck-Verfahren. Der Hersteller Bausch + Lomb hat mit HyperGel ein neuartiges, silikonfreies Material auf den Markt gebracht. Produzenten wie HOYA versuchen durch das Zurverfügungstellen von Equipment (Tablets) eine neue Kundenanbindung zu erwirken.

Oranger-Blick
ScharnierlösungSchattenwurf
Konsum

Druckstellen noch und nöcher!

Der Tragkomfort ist mit den aktuellen Brillengestellen suboptimal. Die Brillenfassungen können nicht 100%ig angepasst werden, sind, je nach Material, schwer und lassen sich, abhängig von der Materialbeschaffenheit, schlecht an die jeweilige Kopfform angleichen. Der Konsument muss für regelmässige Unterhalts- und Anpassungsarbeiten den Optiker aufsuchen. Nicht immer ist ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis gegeben und der Kunde steht vor der Herausforderung zu entscheiden, ob er seine Brille im Fachhandel oder beim Discounter kauft. Nur für den gut betuchten Sehhilfenträger besteht die Möglichkeit, ein individuelles und auf seinen persönlichen Stil ausgerichtetes Brillengestell zu erwerben. Viele Brillenträgerinnen und -träger wären bereit, ihre Augen lasern zu lassen. Die berechtigte Angst vor Komplikationen hält sie jedoch davon ab. Im Kampf gegen die Alterssichtigkeit existiert seit kurzem ein Kunststoff-Implantat, das die Lesebrille ersetzen soll.









Druckstellen
Exklusiv2 für 1

2017

Der 3D-Printer ist auf dem Vormarsch und wird industriell für die Produktion eingesetzt. Das Produkt "Brille" wird preiswerter, ohne aber an Qualität einzubüssen. Die Konsumenten schätzen das ausgewogene Preis-Leistungs-Verhältnis. Produzent und Verkäufer rücken näher zusammen.

Bild 2017 No 1





Bild 2017 No 2

Bild 2017 No 3
Produkt

Alles neu macht der Mai

Die klassische Lesebrille wird über das Internet bestellt. Geliefert wird ein Brillengestell mit Gläsern, die sich einklicken lassen. Die Brillenfassung ist begrenzt multifunktional, das gleiche Brillengestell lässt sich auch als Sonnenbrille verwenden. Es sind neue Formen und Materialien erhältlich und die Brillenfassungen orientieren sich an organischen Gegebenheiten. Aus den neuen Verarbeitungsmöglichkeiten resultieren Leichtigkeit und filigrane Gestaltungsvariationen. Zudem ist es möglich, verschiedene Materialien miteinander zu verarbeiten und einen erhöhten Tragkomfort zu gewährleisten. Gleichzeitig wird Material eingespart und die Produktion ressourcenschonender. "Google Glass" spielt mit seiner integrierten Kamera, Sprachfunktion und Navigationsgerät eine Vorreiterrolle – massentauglich ist es noch nicht.

Neue Hightech-Kontaktlinsen werden dem Sehhilfenträger in Aussicht gestellt. Die rezyklierbare Brille aus Polymilchsäure (PLA) ist auf dem Markt.

Sonnenbrillen 2017
Sehbrille mit Sterngläsern
Herstellung

En vogue …

Die sogenannte in-time-production gewinnt an Stellenwert. Es erfolgt keine Produktion auf Halde, sondern kundenspezifisch – ein Individuelles Massenprodukt! Auf Modeströmungen wird rasend schnell reagiert, die Produktionsmethoden lassen dies zu. Trotzdem ist die Brille aus dem 3D-Drucker noch ein Nischenprodukt, welches langsam aber stetig mehr Marktanteile gewinnt. Es geht in Richtung benutzerdefinierte Gläser und Linsen. Die Forschung befasst sich mit Augenprothesen, welche das Sehen direkt auf das Gehirn übertragen.

Bild En vogue
Zweites Bild En vogue
Konsum

3 für 2

Der Verbraucher schätzt das verbesserte Preis-Leistungs-Verhältnis bei den Lese- und Sonnenbrillen. Bedingt durch eine kostengünstige Preisstruktur baut der Sehhilfenträger sein privates Brillensortiment weiter aus. Augen- und Laseroperationen werden laufend verbessert, trotzdem steht der Kunde medizinischen Eingriffen am Auge immer noch skeptisch bis ablehnend gegenüber. Ängste vor Komplikationen oder Verlust des Augenlichts halten ihn von dieser Option ab. Erst durch einen gleichwertigen Ersatz des Auges dürfte sich diese Haltung ändern. Kontaktlinsenverfahren wie jene von Bausch + Lomb (Bausch + Lomb 2013) werden weiter verfeinert und gehören mittlerweile zum Standard. Biolinsen, welche biologisch abbaubar sind und ohne chemische Zusatzstoffe auskommen, erfreuen sich bei Sehhilfenträgern grosser Beliebtheit.

Fusion
Alte Lady
Konturen

2021

Der 3D-Printer hat den definitiven Einzug in die Privathaushalte geschafft und erste 3D-Scanner werden von Privatpersonen betrieben. Die Integration von benutzerdefinierten Funktionen ist Realität. Geforscht wird an Biolinsen- und Biohornhautimplantaten. Das Berufsbild des Optikers spaltet sich in zwei Bereiche auf: Optosign und Optomed

Grosses Bild Einleitung 2021
Kleines Bild Einleitung 2021
Produkt

Keep it simple …

Brillengestelle sind aus einem Guss hergestellt, verfügen über keinerlei Schrauben oder Scharniere, sind unterhaltsarm, individuell angepasst und federleicht. Das Brillengestell ist multifunktional und auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten. Die Integration von anderen, benutzerdefinierten Funktionen (Kamera, Musik, Navigationsgerät, Memorystick…) ist gegeben. Erhältlich sind Baupläne, die es ermöglichen, die Brille selber bei sich zuhause auf dem 3D-Printer herzustellen. Die Brillengläseroberflächen sind den individuellen Bedürfnissen des Trägers angepasst, was mit dem 3D-Scanning der Augen möglich wird. Um einen optimalen Sitz der Kontaktlinsen zu erreichen, werden auch diese individuell auf das Auge des Trägers ausgerichtet.









Zeiss Militärbrille
Detail MilitärbrilleGoldgräber
Herstellung

Marke 2.0

Die Wege von Produzent und Verkäufer trennen sich wieder. Der Produzent fokussiert sich auf den Materialvertrieb, die entsprechende Drucksoftware, die Wartung von 3D-Printern und 3D-Scannern. In Lizenz vertreibt er Baupläne für Markenbrillengestelle. Geforscht wird an Biolinsen- und Biohornhautimplantaten. Diese Produkte sollen bei Nachoperationen von missglückten Sehkorrekturen eingesetzt werden. Erste Prototypen von bionischen Augen sind in der Testphase und Google verfolgt die Entwicklung mit Interesse.

Brainware 1








Sonnenbrille RayChamëleon
Verkauf

Vom Verkäufer zum Designer

Der Verkäufer versteht sich auf das Zeichnen von Bauplänen. Seine Dienstleistung ist in erster Linie direkt am Kunden: Ausmessen des Kopfs mittels 3D-Scanner, optimales Anpassen an die Kopfform. Er gestaltet selber Brillen und präsentiert diese dem Sehhilfenträger in geeigneten Räumlichkeiten. Grundsätzlich benötigt der Optiker kleinere Laden- und Lagerflächen. Bedingt durch die technischen Errungenschaften wird einerseits der Optiker kreativ stärker gefordert, andererseits wachsen die Anforderungen an die medizinischen Fachkenntnisse aufgrund der Komplexität der Produktepalette. Deshalb splittet sich das Berufsbild in zwei Bereiche auf: Optosign und Optomed
Optosign richtet sich an den designaffinen Optiker und Optomed orientiert sich nahe am Augenarzt.






HornbrilleSchlossbrille
Goldbrille
Konsum

Auf Wolke Nr. 7!

Der Konsument verfügt über einen hohen Tragkomfort, was Optikerbesuche hinfällig macht. Das Traggefühl ist einzigartig und aufgrund der vielfältigen Zusatzfunktionen (Nachrichten sowie Zeitungen lesen, telefonieren, Nachrichten diktieren) will der Brillenträger nicht mehr auf seine Sehhilfe verzichten. Dank diesem Mehrwert kann die Brille ihren Platz behaupten. Augen- und Laseroperationen sind ausgereifter, weshalb sich immer mehr Brillenträger für diese Variante entscheiden. Obwohl der 3D-Printer sich etabliert hat, fehlt zahlreichen Konsumenten die Affinität zur Technik, weshalb sie sich trotz technischer Möglichkeiten gegen eine Eigenproduktion entscheiden. Die benutzerdefinierten Linsen erfreuen sich hoher Akzeptanz und gelangen immer mehr zur Anwendung.

Sonnenbrille Standard
Brillengewusel

2025

3D-Printer und 3D-Scanner haben sich definitiv etabliert. Dem Brillenträger ist es heute freigestellt, sein Brillengestell selber herzustellen. Medizinische Eingriffe am Auge sind heute risikolos möglich und stehen in verschiedenen Varianten zur Verfügung. Der Konsument entscheidet was er will.

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Produkt

Auf zu neuen Ufern!

Die selbstreinigende, unzerbrechliche Brille mit Internetfunktion ist Realität und wird vom Benutzer geschätzt. Vielfältige Materialien können im 3D-Produktionsverfahren verarbeitet werden. Die Entwicklung von Google Glass war für den Konsumenten 2013 zu früh. Heute, 2025, gehören Entwicklungen wie Navigationssystem, Kamera, Telefoniefunktion usw. zum Standard bionischer Augenimplantate. Auf dem Markt sind nur noch One-Day-Biolinsen erhältlich. Diese zersetzen sich während der Nachtruhezeit und müssen somit vom Anwender nicht mehr entfernt werden. Das Handling wird generell einfacher!

Horn
Brillenkneuel
Herstellung

Blauäugig …

Der Produzent betreibt online-Shops für Baupläne- und Materialvertrieb. Zusätzlich übernimmt er Wartungsarbeiten vor Ort an den 3D-Printern und 3D-Scannern. Er stellt Software zur Verfügung, damit einfach und schnell Anpassungen an den Brillenfassungen und Dioptrien vorgenommen werden können. Der Hersteller bietet für Menschen mit Augenerkrankungen oder -verlust Implantate mit augmented reality Funktion (erweiterte Realität) an. Die "intelligente" Kontaktlinse erobert den Linsenmarkt. Intelligent deshalb, weil sie sich einerseits dem Auge und andererseits den Tageslichtverhältnissen anpasst. Sie befeuchtet das Auge permanent, ist extrem dünn und kann, je nach Gemütsverfassung, eine andere Augenfarbe annehmen.

Rund ist die Stahlbrille
Die Brillen hängen zusammengetönte Scheiben
Verkauf

Morgenröte

Zahlreiche Optikergeschäfte sind verschwunden, nur innovative Unternehmer behaupten sich im Brillenmarkt 2025.

Der Optosign beschäftigt sich vorwiegend mit ausgefallenen Brillenfassungen und Spezialanfertigungen, die ein grösseres Know How erfordern. Er wird zum Support für unbeholfene, ängstliche Privatanwender. Die Brille mausert sich zum reinen Accessoire.

Der Optomed kümmert sich um Patienten, bei denen die vor Jahren durchgeführte Laseroperation zu Komplikationen führt. Er begrüsst die Tatsache, dass Laseroperationen nicht mehr durchgeführt werden, sondern durch Biolinsentransplantationen ersetzt wurden. Diese Methode ist zwischenzeitlich risikolos durchführbar. Durch diese neuen Möglichkeiten verkleinert sich der Kundenstamm zwangsläufig.

Zwei mal eins




Retrostyle verschwommenRedesign Brillen

2029

Back to the roots! Die Brille feiert flächendeckend ihr Comeback. Die Sehhilfenträgerinnen und -träger haben genug von den futuristischen Errungenschaften. Sie sind übersättigt und sehnen sich nach den altbewährten, klassischen Brillengestellen. Wenige Additions überleben, da sie den Alltag des Anwenders wesentlich erleichtern. Das Hochpräzisionsvideoauge kommt fallspezifisch noch zum Einsatz, aber der grosse Modehype ist vorbei.

Abspannbild 1
Abspannbild 2
Abspannbild 3

Schlusswort

Ich bin überzeugt, dass technisch versierte und interessierte Konsumenten künftig ihre Brillen selber herstellen werden. Aber auch der Sehhilfenträger von morgen wird auf eine präzise Dioptriebestimmung durch den Fachmann angewiesen sein. Nicht medizinische Bedenken ver-, respektive behindern die Entwicklung, sondern fehlendes Know How des Konsumenten.

Der Kunde von morgen pflegt mit seinem Optiker eine partnerschaftliche Geschäftsbeziehung. Er bezieht nur noch jene Dienstleistungen, die er selber nicht erbringen kann oder will: Beim Optosign 3D-Scanning, 3D-Printing, Farb- und Stilberatung sowie technischer Support und beim Optomed medizinische Beratung sowie Dioptriebestimmung. Durch die neuen technologischen Möglichkeiten wird das Optikerbusiness vielseitiger, da Farben und Formen nahezu keine Grenzen mehr gesetzt sind und der Optosign seiner Kreativität freien Lauf lässt.

Den Sehhilfenhersteller wird es immer geben, sein Tätigkeitsgebiet verlagert sich aber vermehrt Richtung Entwicklung und Innovation.

Die Fortschritte bei den Kontaktlinsen sind kontinuierlich und nicht aufzuhalten. Die Biolinse von morgen wird anwenderfreundlich und ein high tech Produkt sein. Revolutionäre Fortschritte im Bereich der Augenprothesen sind zu erwarten und werden insbesondere bei Augenkrankheiten und/oder Verlust der Sehkraft für viele Menschen eine echte Alternative zum Blindenstock oder -hund darstellen.

Trendreport ISEE Future Bild
Bild zum Vorwort

Anekdote …

Der soeben Operierte liegt wieder in seinem Zimmer und atmet auf.
«Überstanden!»

«Sagen Sie das nicht zu früh», meint sein Bettnachbar, «mich mussten sie ein zweites Mal aufschneiden, weil der Professor eine Pinzette in meinem Bauch vergessen hatte.»

Da streckt die Oberschwester ihren Kopf zur Tür herein und fragt: «Hat jemand die Brille vom Herrn Professor gesehen?»